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Wenn der Job zur Sucht wird

Veröffentlicht am 01.04.2016

Arbeitssucht betrifft vor allem Männer. Workaholism ist eine eigene Suchtform, die professionell behandelt werden kann.

Fotolia.com - © Amir Kaljikovic Fotolia.com - © Amir Kaljikovic

Arbeitssucht (engl. Workaholism) ist eine Suchtform, die nach Expertenschätzungen inzwischen fast eine halbe Million Menschen akut betrifft. Schon seit den 1960er Jahren kennt man Suchtproblematiken wie die Manager-Krankheit oder Burn-out.

Die Arbeitssucht ist ein eigenständiges Krankheitsbild, das zu schlimmen Verhaltensänderungen und chronischen Krankheitsbildern führen kann. Es wird den stoffgebundenen Süchten zugeordnet, dessen Krankheitsbild durch die zwanghafte Haltung zur Leistung und Arbeit definiert wird. Nach Meinung der Anonymen Arbeitssüchtigen (AAS) ist Workaholism ein zwanghafter Umgang mit Arbeit.

Wie bei vielen anderen Suchtkrankheiten auch, dreht sich alles nur um das Suchtthema, dies kennt man bei Alkoholikern und Menschen mit Essstörungen genauso wie bei Arbeitssüchtigen. Auch die Toleranzerhöhung - in dieser Suchtform die erhöhte „Arbeitdosis“ -ist ein typisches Suchtphänomen.

Viele Betroffene finden in der Freizeit mit Familie und Freunden keine Ruhe mehr und neigen zur Beruhigung zu Alkohol und Medikamenten. Workaholics haben oft mit Kopfschmerzen, Magenproblemen, Schlafstörungen und Schwindel zu kämpfen – danach droht der völlige Burn-out.

Zu den psychischen Erkrankungen gehören auch akute bis chronische Formen von Depressionen. Anstatt sich dringend zu erholen, haben sie das Gefühl permanent produktiv sein zu müssen. Nach Meinung der ASS kann die Arbeitssucht aber auch gegensätzliche Muster, wie Arbeitsvermeidung oder das Aufschieben von Arbeit aus Angst vor Misserfolgen, aufzeigen.

Wo verläuft die Grenze zwischen einer normalen Einstellung zum Beruf und dem Arbeitspensum und der Arbeitssucht?

Einige Symptome weisen auf eine Arbeitssucht hin:

  • Man braucht lange bis man mit der Arbeit anfängt und hat oft Arbeitsängste.
  • Man nimmt sich zu viel vor und arbeitet bis zur geistigen und körperlichen Erschöpfung.
  • Man definiert den Tag über die Arbeitsmenge – auch die nicht geleistete Arbeit.
  • Man verzettelt sich oft und ist unkonzentriert.
  • Man neigt zum Perfektionismus im Beruf und steht ständig unter Zeitdruck.
  • Auch in der Freizeit ist das Thema Arbeit dominiert.
  • In kürzester Zeit soll mit geringem Aufwand viel geleistet werden.
  • Die Arbeit wird persönlich als überragende Lebensrechtfertigung gesehen.
  • Arbeitssucht ist ein Tabuthema bei Gesprächen mit Kollegen, Familie und Freunde.

Wie bei anderen Suchtkrankheiten auch, können ein oder mehrere Symptome auf Arbeitssüchtige zutreffen, die persönlichen Ausprägungen sind sehr individuell und müssen durch Fachleute genauer analysiert werden.

Als Kompetenzzentrum gilt die AAS Interessensgemeinschaft e.V. in Lahr. Auszug aus der Präambel der AAS: „AAS (Anonyme Arbeitssüchtige) sind eine Gemeinschaft von Männern und Frauen, die miteinander ihre Erfahrungen, Kraft und Hoffnung teilen, um ihr gemeinsames Problem zu lösen und anderen zur Genesung von der Arbeitssucht zu verhelfen. Die einzige Voraussetzung für die Zugehörigkeit zu AAS ist der aufrichtige Wunsch, mit dem zwanghaften Arbeiten oder Nicht-Arbeiten aufzuhören.“

Arbeitspsychologen oder unversitäre Experten für Betriebspsychologie forschen an der Krankheit. Die Universität Bremen, die Universität Erlangen oder die Universität Mannheim haben zur Arbeitssucht ihre Forschungsergebnisse veröffentlicht.

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