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Reisen mit dem Hund

Veröffentlicht am 02.05.2019

Damit lästige Parasiten den Urlaubsspaß nicht vermiesen, sind Vorsorgemaßnahmen unerlässlich.

Flöhe, Zecken und Mücken übertragen gefährliche Infektionserreger. Besonders verbreitet sind sogenannte Reise-Erkrankungen in Süd- und Südosteuropa anzutreffen. Mit geeigneten Schutz- und Vorbeugemaßnahmen lässt sich das Erkrankungsrisiko verringern.

Auto-Check gemacht, Ausweispapiere gültig, Hotel gebucht – nun steht dem Start in den Urlaub nichts mehr im Wege. Es sei denn, man nimmt seinen Hund mit auf die Reise. Dann fehlt auf dieser kleinen Checkliste noch ein wichtiger Punkt. Dies vor allem, wenn man beliebte Ziele im südlichen Europa „mit Mittelmeerblick“ ansteuern will. Dort warten nicht nur viel Sonne und traumhafte Strände, sondern auch unangenehme Krabbeltiere, die dem vierbeinigen Familienmitglied gefährlich werden können. Flöhe, Zecken, vor allem aber auch Mücken übertragen in bestimmten Risikogebieten häufig Infektionserreger, die dann zunächst unerkannt, die Heimreise mit antreten.

Eine besondere Gefahr geht von Stechmücken aus. Gerade in Mittelmeerländern oder südosteuropäischen Ländern können diese Herz- und Hautwürmer übertragen. Die sehr kleinen Sand- bzw. Schmetterlingsmücken übertragen die Erreger der Leishmaniose. Diese Erkrankung verläuft in einigen Fällen besonders schwerwiegend und die Infektion bleibt lebenslang bestehen. Innere Organe, vor allem die Nieren, oder die Haut können betroffen sein. Die Leishmaniose wird als die bedeutendste Reisekrankheit eingestuft.

Zecken sind potenzielle Überträger von Erregern, die Infektionen wie die Ehrlichiose, Babesiose, Hepatozoonose, Anaplasmose oder die Borreliose, auslösen. Und Flöhe können Krankheiten wie den Gurkenkernbandwurm übertragen.

Die genannten Parasiten sind in den Risikogebieten nahezu ganzjährig aktiv. Deshalb gehört ein vorbeugender Floh- und Zeckenschutz zwingend zu den Vorbereitungen bei Reisen mit dem Hund. Das ist auch im Heimatland durchaus empfehlenswert, denn auch hier können verschiedene Erreger durch Zecken und Flöhe übertragen werden.

Ein Mückenschutz dagegen wird hierzulande noch nicht so häufig angewendet. Er sollte einige Tage vor Reiseantritt beginnen. Kombinationspräparate, die vor verschiedenen Parasiten gleichzeitig schützen, stehen zur Verfügung. Der Tierarzt kann ein geeignetes Mittel empfehlen. Seit einigen Jahren gibt es einen Leishmaniose-Impfstoff. Hierfür müssen Tierhalter etwas mehr Zeit einplanen, denn vor der ersten Impfung ist ein Leishmaniose-Test erforderlich. Einschränkend gilt, dass die Impfung aber lediglich vor den Erkrankungserscheinungen schützt, die Infektion verhindern kann sie nicht. Auch für geimpfte Tiere bleibt der Mückenschutz deshalb wichtig.

Übrigens: Auch wer die Ferien mit seinem Tier in Deutschland verbringt, sollte sich nicht in falscher Sicherheit wiegen. Im Zuge des Klimawandels, der Tierimporte und des zunehmenden Reiseverkehrs mit Tieren haben sich einige ursprünglich hier nicht-heimische Parasiten auf den Weg gemacht und sind inzwischen auch in Deutschland anzutreffen.

Einen hilfreichen Online-Service stellt das European Scientific Counsel Companion Animal Parasites (ESCCAP) mit dem kostenlosen Reisetest unter https://www.esccap.de/parasiten/reisetest/ zur Verfügung. Hier kann man interaktiv genaue Informationen in deutscher Sprache zu jedem europäischen Urlaubsland abrufen.

Hintergrundinformationen zu Reisen mit dem Hund

Urlaub ist die schönste Zeit im Jahr, in der man auf den vierbeinigen Hausgenossen nicht verzichten möchte. Doch Vorsicht ist geboten vor allem bei Reisen in den Süden. Dort können Erkrankungen, die bislang in unseren Regionen unbekannt waren, die Gesundheit des Reisegefährten ernsthaft bedrohen. Zu den wichtigen Krankheiten zählen die Babesiose ("Hundemalaria"), die Ehrlichiose sowie die seltenere Hepatozoonose, die alle durch Zecken übertragen werden. Die Herzwurm-Erkrankung und die Leishmaniose sind zwei weitere, gefährliche, durch Mücken übertragene Krankheiten. Diese Krankheiten spielen auch eine Rolle, wenn beispielsweise Hunde aus den gefährdeten Regionen mit nach Deutschland genommen werden.

Herzwurmkrankheit

Der Erreger der Herzwurmkrankheit ist ein fadenartiger Wurm (Herzwurm oder Dirofilaria immitis), dessen Weibchen bis zu 30 cm und die Männchen bis zu 18 cm lang werden. Die Larven des Herzwurms, auch Mikrofilarien genannt, zirkulieren im Blut des betroffenen Tieres. Überträger der Nematoden sind auch in Deutschland vorkommende Stechmücken aus der Familie der Culicidae. Diese übertragen infektiöse Larven von Hund zu Hund, die sich im betroffenen Tier weiterentwickeln und nach etwa 120 Tagen das Herz erreichen. Die Erkrankung äußert sich je nach Krankheitsstadium in einem Leistungsabfall, durch Husten, erschwerte Atemtätigkeit, häufiges Erbrechen, Gewichts- und Konditionsverlust und eine milde Anämie.

Bei schwerer Erkrankung kann es zu Bewusstseinsverlusten, Lebervergrößerungen und Nierenfunktionsstörungen kommen. Diagnostik und Therapie der Herzwurmkrankheit sind schwierig. Mit geeigneten Medikamenten ist jedoch eine relativ einfache und sichere Prophylaxe möglich. Die Dirofilariose ist in Europa im gesamten Mittelmeerraum, aber auch in Norditalien bis hin zu den Alpen, in der Südschweiz, in Frankreich und in Österreich verbreitet. Auch in großen Teilen von Amerika, Afrika, Südasien, Japan und Australien ist sie anzutreffen.

Kutane Filariose

Stechmücken übertragen auch den Fadenwurm Dirofilaria repens (Hautwurm), den Erreger einer Hauterkrankung, der so genannten kutanen Filariose. Gefährdete Gebiete sind ebenfalls süd- und osteuropäische Länder. In letzter Zeit wurde D. repens auch in Deutschland gelegentlich gefunden.

Leishmaniose

Eine nur schwer heilbare Zoonose mit teilweise schwerwiegenden Symptomen ist die Leishmaniose, die durch Schmetterlingsmücken (Sandmücken) übertragen wird. Sie ist ebenfalls im Mittelmeerraum, sowie in Asien und Lateinamerika verbreitet. Der bestmögliche Schutz ist es, Tiere möglichst nicht in entsprechende Gebiete mitzunehmen. Ist dieses nicht möglich, ist die vorbeugende Gabe Mückenabwehrender Medikamente das Mittel der Wahl. Seit neuestem steht für den Hund auch ein Impfstoff gegen die Leishmaniose zur Verfügung.

Die Symptome der Leishmaniose sind sehr variabel, während einige Hunde keine klinischen Symptome zeigen erkranken andere schwer. Bei Hunden zeigt sich fast immer die sogenannte "viszerale Form" der Leishmaniose, das bedeutet, dass sich die Erreger in den inneren Organen vermehren. Betroffen sind vor allem die Nieren, aber auch das Knochenmark. Daneben kommt eine sogenannte „kutane" Verlaufsform vor. Zeichen des Befalls sind hier Hautveränderungen mit einer meist nicht-juckenden Dermatitis und Haarausfall (Alopezie) z. B. des Nasenrückens und der Ohrenspitzen sowie periorbitale Alopezie (Brillenbildung), die von großen, leicht fettigen, kreideweißen Schuppen bedeckt ist. Die Inkubationszeit beträgt 3 Monate bis 7 Jahre.

Zecken - eine große Gefahr auf Reisen

Vorbeugende Maßnahmen sind bei den durch Zecken übertragenen Erkrankungen ebenfalls möglich. Die wichtigste Maßnahme ist Zeckenprophylaxe. Auftretende Zecken sollten zudem frühzeitig abgesammelt werden. Folgende Krankheiten werden durch Zecken übertragen.

Babesiose

Diese Erkrankung ist aufgrund ähnlicher Symptome auch als Hundemalaria bekannt. Überträger ist die Braune Hundezecke, in Deutschland auch die Auwaldzecke. Symptome sind Gelbsucht (durch hämolytische Anämie/Blutarmut)), eventuell Fieber, Gewichts- und Konditionsverlust, brauner Urin, Milzvergrößerung, eventuell Blutungsneigung (durch Thrombozytopenie). Die Inkubationszeit beträgt 10-21 Tage.

Ehrlichiose

Diese Zoonose ist vor allem im südlichen Europa verbreitet, Überträger ist die Braune Hundezecke. Akute Symptome sind Fieber, Apathie, Appetitlosigkeit und Blutungen. Im chronischen Verlauf zeigen sich Abmagerung und Blutungsneigung, vor allem in der Haut und auf Schleimhäuten. Die Inkubationszeit beträgt 5 - 21 Tage.

Hepatozoonose

Hierbei handelt es sich um eine sehr seltene Krankheit, die vor allem im Mittelmeerraum auftritt. Sie wird durch die Braune Hundezecke übertragen, die vom Hund verschluckt wird. Es ist deshalb empfehlenswert, Zecken abzusammeln. Bei gesunden Tieren zeigen sich meist keine Symptome. Grundsätzlich sind aber auch schwere Erkrankungen möglich.

Wo kann man sich noch informieren?

Zur guten Reisevorbereitung gehören selbstverständlich auch Impfungen, die im EU-Heimtierpass eingetragen werden. Vor allem die Tollwut-Impfung ist ein absolutes Muss bei Reisen mit dem Hund. Für eine Reihe von Ländern werden neben der Tollwutimpfung noch zusätzliche Behandlungen, beispielsweise gegen Bandwurmbefall gefordert. Für Reisen außerhalb der EU sind gegebenenfalls weitere Vorschriften zu beachten. Der Tierarzt kann hier umfangreich informieren.

Quelle: Bundesverband für Tiergesundheit e.V., Bonn, Mai 2019

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