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Arthrose bei Hund und Katze: Wenn Tiere lieber liegen statt laufen

Veröffentlicht am 28.09.2017

Gelenkerkrankungen verursachen dauerhafte Schmerzen. Mit Therapien kann man Hund und Katze unterstützen.

Wenn die ersten Herbstnebel übers Land wabern, würden Bello und Mieze sich am liebsten ganz fest in ihr Kissen kuscheln. Und dann an einem gemütlichen Plätzchen in der warmen Stube einfach darauf warten, dass dieser unfreundliche Tag vorübergeht. Beide haben immerhin schon einige Jährchen auf dem Buckel.

Die Gelenke wollen nicht mehr so wie früher. Im Sommer lief noch alles wie geschmiert, aber jetzt, mit den ersten kalten und feuchten Tagen, melden sich die ersten Schmerzen. Bello und Mieze leiden an Arthrose, einer chronischen Gelenkerkrankung, die sich langsam in ihr Leben geschlichen hat.

Ob eine akute Verletzung, ob eine Fehlstellung des Gelenks, bakterielle Infektionen oder einfach nur altersbedingter Verschleiß der Auslöser war, ist für den Verlauf der Krankheit eher nebensächlich. In jedem Fall ist der Knorpel im Gelenk in Mitleidenschaft gezogen und hat sich entzündet. Im weiteren Krankheitsverlauf entstehen aus zunächst akuten chronische Schmerzen, die selbst die aktivste Katze und den bewegungsfreudigsten Hund zur Ruhe zwingen. Dabei wäre gerade jetzt eine angemessene Bewegung das Beste für Mieze und Bello, damit die Gelenke nicht ganz einrosten.

Auch wenn die Arthrose nicht geheilt werden kann, ist es wichtig, die Schmerzen zu therapieren. Natürlich zum einen, um die vierbeinigen Lieblinge nicht unnötig leiden zu lassen. Zum anderen zieht dauerhafter Schmerz weitere schwerwiegende Beeinträchtigungen nach sich. Beispielsweise leidet das Immunsystem betroffener Tiere oder wegen mangelnder Bewegung werden die Muskeln schlaff. Auf Dauer besteht sogar die Gefahr, dass sich ein Schmerzgedächtnis entwickelt. Grund dafür ist die zunehmende Empfindlichkeit der Nervenzellen. Bereits geringe Reize werden dann als schmerzhaft wahrgenommen.

Das muss nicht sein. Es stehen heute moderne Schmerztherapien für Hund und Katze zur Verfügung. Bei der Auswahl geeigneter tierartspezifischer Medikamente kann jedoch nur der Tierarzt weiterhelfen. In Absprache mit diesem hat der Tierhalter es jedoch in der Hand, sein Tier zu unterstützen, etwa mit Bewegungstherapien oder durch eine Gewichtskontrolle. Übergewicht durch falsche Fütterung belastet die „angeschlagenen Gelenke“ zusätzlich. Arthrosepatienten sollte man deshalb nicht mit einem Übermaß an „Leckerlis“ trösten.

Für den Tierarzt ist es wichtig, möglichst viel über das tägliche Verhalten von Mieze und Bello zu erfahren. Dabei helfen Behandlungsprotokolle, in denen beispielsweise die Gewichtsentwicklung genau festgehalten wird – eine weitere Aufgabe für den Tierhalter. Hilfreich ist zudem ein Schmerztagebuch.

Mit etwas Übung können Tierhalter den Schmerzgrad ihrer Lieblinge recht gut einschätzen und in eine Schmerzskala eintragen. Diese Beobachtungen helfen dem Tierarzt, die Therapie für Mieze und Bello dem Krankheitsverlauf anzupassen. Schmerztherapien machen so das Leben auch für Bello und Mieze wieder lebenswert.

 

Vor allem ältere Hunde leiden unter Arthrose. An kalten, feuchten Tagen melden sich vermehrt die Schmerzen. Die Tiere legen dann gerne eine Laufpause ein. BfT/KlostermannVor allem ältere Hunde leiden unter Arthrose. An kalten, feuchten Tagen melden sich vermehrt die Schmerzen. Die Tiere legen dann gerne eine Laufpause ein. BfT/Klostermann

 Arthrose beim Hund – Hintergrundinformationen

Was in den Gelenken passiert

Zur harmonischen Bewegung gehört ein ungestörtes Zusammenspiel von Knochen, Muskeln und Bändern. Um dies zu gewährleisten, sind die Gelenke als bewegliche Verbindung der starren Knochen ganz speziell und sehr funktionsfähig aufgebaut: Gelenke bestehen aus einer Gelenkkapsel, die das Gelenk nach außen abschließt. Innen sind sie mit einer Synovialmembran ausgekleidet, die die Gelenkflüssigkeit, also die sogenannte »Gelenkschmiere« (Synovia) bildet.

Die Knochenenden sind mit einer Knorpelschicht überzogen. Dieser  Gelenkknorpel hat eine besonders wichtige Aufgabe, denn er besitzt eine enorme Pufferwirkung (»Stoßdämpfer«) und ist somit für die Stoß- und Druckfestigkeit des Gelenks und die Druckdämpfung jeder Bewegung zuständig. Ohne diese Stoßdämpfung wäre ein geschmeidiges Bewegen, geschweige denn ein Belasten der Gelenke, gar nicht möglich. Bereits ein kleiner Fehler in diesem ausgeklügelten System kann schwerwiegende Folgen haben.

Eine chronische Gelenkerkrankung bezeichnet man als Arthrose. Diese beginnt mit einer Verletzung im Gelenkknorpelbereich. Ursache solcher Knorpelschäden können z. B. traumatische Verletzungen (Zerrung, Verstauchung), Wachstumsstörungen, die Folgen anatomischer Fehlstellungen (Hüftdysplasie), übermäßiger Verschleiß bei alten oder übergewichtigen Tieren oder die Folge bakterieller Infektionen sein.

In jedem Fall kommt es zu einer Reihe von Veränderungen: Der geschädigte Knorpel provoziert eine Entzündung der Synovialmembran, die Membran schwillt stark an und sezerniert vermehrt Synovia (Reizerguss). Dies und eine gleichzeitige Entzündung der Gelenkkapsel führen zur Schwellung und verstärkten Durchblutung des Gelenks. Die Entzündungssymptome Rötung, Schwellung, Schmerz und Funktionsstörung des Gelenks (Lahmheit) werden sichtbar. Im Anschluss daran kommt es zu einer faserigen Verdickung der Gelenkkapsel, zur Ausbildung sogenannter »Osteophyten« (Zubildungen am Knochen) und zur irreversiblen Gelenkknorpeldegeneration. Eine chronische Gelenkerkrankung die Arthrose – ist entstanden.

Die Therapien von Erkrankungen des Bewegungsapparates reichen von strikter Ruhe, Einsatz von Wärme, gezieltem Bewegungstraining zum Muskelaufbau, spezieller Medikamentengabe, Ernährungsumstellung und Gewichtsreduktion bis hin zu größeren orthopädischen OP´s.

Den Schmerz lindern

Alle therapeutischen Maßnahmen haben zum Ziel, die Schmerzhaftigkeit der Erkrankung zu bekämpfen und vor allem die Gelenkfunktion zu erhalten bzw. wiederherzustellen. Sinnvolle und tatkräftige Unterstützung finden die verschiedenen Therapiemöglichkeiten durch den Einsatzentzündungshemmender und zugleich schmerzstillender Mittel. Es stehen aufgrund intensiver Forschung geeignete Medikamente zur Verfügung, die speziell für den Hund und seine Bedürfnisse entwickelt wurden.

Sie sind gut verträglich und lassen sich einfach verabreichen und exakt dosieren. Die durch die Entzündung verursachte Gelenkzerstörung kann gestoppt werden, akute Prozesse heilen schneller aus und chronische Erkrankungen werden für den Patienten erträglich gemacht. Nicht umsonst sind die Lebenserwartung und die Lebensqualität vieler alter, an Arthrose leidender Hunde deutlich höher geworden.

Darüber hinaus stehen Ergänzungsfuttermittel zur Verfügung, die bei „Risikogruppen“ vorbeugend oder therapiebegleitend eingesetzt werden können. Prophylaxe ist beispielsweise in der Aufzucht von Welpen und Junghunden sinnvoll. Auch körperlich stark beanspruchte Hunde kann man so vor Sportverletzungen und Verschleiß schützen.

Hilfe für Hunde mit chronischen Schmerzen

Wenn der Tierarzt eine chronisch fortschreitende Erkrankung wie Arthrose festgestellt hat, wird er wahrscheinlich ein Schmerzmittel verschreiben. Zusätzlich zur Therapie mit Schmerzmitteln gibt es unterstützende Maßnahmen, die der Tierhalter selber durchführen kann: Kontrollierte Bewegung hilft dabei, Gewicht zu reduzieren, Muskelkraft zu erhalten, und die Beweglichkeit der Gelenke mit der Zeit zu verbessern. Abnehmen beseitigt bei Hunden mit Übergewicht die unnötige zusätzliche Belastung der schmerzenden Gelenke.

Ergänzungsfuttermittel oder ein Futter mit einem hohen Anteil essentieller Fettsäuren können ebenfalls helfen.
Gut gestaltete, regelmäßige Physiotherapie (besonders nach chirurgischen Eingriffen) kann Schmerzen lindern, die Kondition aufbauen und die Beweglichkeit der Gelenke erheblich verbessern.
Ein festes Hundebett an einer warmen, zugfreien Stelle ist bequemer, unterstützt die Gelenke und erleichtert das Aufstehen.

Arthrose bei der Katze – Hintergrundinformationen

Was in den Gelenken passiert

Die harmonischen und eleganten Bewegungen der Katze sind das Ergebnis eines perfekt aufeinander abgestimmten Zusammenspiels von Muskeln und Nerven, Knochen und Sehnen, Bändern und Gelenken. Die Gelenke, die Verbindungsstellen zwischen den starren Kno­chen, stellen dabei die Dreh- und Angelpunkte für jede Bewegung dar. Sie sind von straffem Bindegewebe, der Gelenkkapsel umge­ben, die das Gelenk stabilisiert.

Die Knochenenden, die im Gelenk zusammentreffen, sind von einem Knorpel überzogen. Das prall-elastische Knorpelgewebe dient dabei als eine Art „Stoßdämpfer“, mit dessen Hilfe Druck und kurzfristige hohe Belastungen, wie z. B. das Aufsetzen nach dem Sprung abgefedert werden. Die Oberfläche des Knorpels ist glatt, so dass sich die Knochen reibungslos gegeneinander bewegen können. Die Gleitfähigkeit der Knorpel wird durch die Gelenkschmiere, die Synovia, noch erhöht. Diese zähe Flüssigkeit wird von einer zarten Zellschicht, der Synovialmembran, gebildet, die die straffe Gelenkkapsel innen auskleidet.

Die Synovia stellt außerdem die Versorgung des Gelenkknorpels mit Nährstoffen sicher, denn der Gelenkknorpel wird nicht durchblutet. Dass das Gewebe nicht durchblutet wird, hat übrigens auch schwerwiegende Folgen für die Heilung nach Verletzungen. Ein einmal geschädigter Knorpel kann nicht völlig wieder hergestellt werden.

Die Gelenke stellen die empfindlichsten Teile im Bewegungsapparat der Katze dar. Insbesondere der Gelenkknorpel, der bei der jungen Katze ein dickes, elastisches Kissen über den Enden der Knochen bildet, leidet unter den Jahren. Er wird dünner und verliert zunehmend an Elastizität. Seine glatte, gleitfähige Oberfläche kann rau werden. Dadurch können die Knochen beim Beugen oder Strecken eines Gelenks nicht mehr mühelos aneinander vorüber gleiten, zumal auch das Schmiermittel des Gelenks, die Gelenkschmiere, bei älteren Katzen nicht mehr die gleiche Qualität aufweist.

Bei jungen Tieren ist die Gelenkschmiere äußerst zähflüssig und bildet einen dichten Film über dem Gelenkknorpel. Mit zunehmen­dem Alter wird die Gelenkschmiere dünnflüssiger und dadurch kann der „Gleitfilm“ über dem Knorpel immer wieder einmal reißen. Dann reibt Gelenkoberfläche auf Gelenkoberfläche — was zur weiteren Abnutzung des Knorpels beiträgt. Man nennt diesen Prozess auch Degeneration und die Veränderungen der Gelenke degenerative Gelenkveränderungen.

Was bedeutet Arthrose?

Typisch für eine Arthrose ist der Verlust an Knorpelgewebe, die Bildung von wildem Knochengewebe (Osteophyten) und der Umbau des Knochens. Eine Arthrose beginnt in der Regel mit einem Knorpelschaden. Dieser bedingt eine Entzündung der Synovialmembran, die darauf­hin anschwillt und verstärkt Gelenkschmiere (Synovia) produziert. Diese Synovia ist jedoch minderwertig. Sie ist zu dünnflüssig, um einen belastbaren Schutzfilm für den Knorpel zu bilden.

Durch die Menge an Gelenkflüssigkeit kommt es zu einem „Reizerguss“. Das Gelenk wird dick, verliert seine Beweglichkeit und ist außerordentlich schmerzhaft. Man nennt eine Gelenkentzündung auch Arthritis, ihren chronischen Verlauf Arthrose. Der Organismus möchte die Gelenkkapsel in dieser kritischen Situation stärken und daher erzeugen bestimmte Reparaturzellen viel festes Binde­gewebe, mit dem die Kapsel durchsetzt wird. Auch die Bildung von wildem Knochengewebe ist nichts anderes als der Versuch des Organismus, dem kranken Gelenk zu mehr Stabilität zu verhelfen. All diese Veränderungen können vom Körper nicht mehr rückgängig gemacht werden.

Mit der Entzündung des Gelenks sind Schmerzen verbunden. Diese veranlassen das Tier, die betroffenen Gliedmaßen zu schonen. Zu Beginn einer Verletzung oder Erkrankung ist dies auch sinnvoll. Auf Dauer schadet das Schonen dem betroffenen Gelenk und auch anderen Gelenken. Denn nur wenn das Gelenk bewegt wird, bildet die Synovialmembran gute, dickflüssige und zähe Gelenkschmiere. Ohne Gelenkschmiere wird der verbliebene Knorpel nicht ausreichend mit Nährstoffen versorgt.

Außerdem ist die Gleitfähigkeit durch die mangelnde Schmiere im Gelenk herabgesetzt. Es kann dadurch zu weiteren Knorpelschäden kommen. Die wiederum verschlimmern die Entzündung, das Tier muss noch mehr Schmer­zen leiden und bewegt sich noch weniger. Darüber hinaus führt die Schonhaltung zur Schädigung anderer Gelenke, weil diese nun überbeansprucht bzw. durch die unnatürliche Haltung der Katze falsch belastet werden.

Den Schmerz lindern

Die Hemmung von weiteren Entzündungen und die Linderung bzw. möglichst die komplette Ausschaltung von Schmerzen sind bei der Therapie von Gelenkerkrankungen von größter Bedeutung. Denn sowohl die entzündlichen Erscheinungen als auch die Schmerzen tragen zur Verschlimmerung der Erkrankung bei. Darüber hinaus stellen chronische Schmerzen eine Art Dauerstress für Körper und Seele dar und haben gesundheitsschädliche Auswirkungen auf Herz und Kreislauf, Atmung und Immunsystem.

Den Teufelskreis von Schmerz, Entzündung und Degeneration durchbricht der Tierarzt mit besonderen für die Katze verträglichen Schmerzmitteln. Es ist äußerst wichtig, nur die vom Tierarzt verschriebenen Medikamente in der vom Tierarzt angege­benen Dosierung zu verwenden, weil Katzen äußerst empfindlich auf viele Schmerzmittel reagieren. Neben der Gabe von Medikamenten, die der Tierarzt verschrieben hat, können Tierhalter ihre Katze aktiv unterstützen.

So sollten übergewichtige Katzen unbedingt abnehmen. Denn je leichter die Katze ist, desto weniger wird ihr Bewegungsapparat belastet. Zur Gewichtsreduktion ist es sinnvoll, das Futter nicht nur zu reduzieren, sondern die Katze auch in Bewegung zu bringen. Dadurch wird die Muskulatur gestärkt und kann die Gelenke besser unterstützen.

Entlasten kann man die Gelenke einer arthrotischen Katze auch, indem man ihre Lieblingsplätze besser erreichbar macht: zum Beispiel vor die Fensterbank einen Stuhl stellt, in den Kratzbaum mehr Etagen einbaut oder einen Fußschemel vor den Lieblingssessel stellt. Während man große Sprünge so vermeidet, sollte man Bewegung durch Spiel jedoch fördern.

Einige Katzen mit Gelenkbeschwerden benötigen Unterstützung bei der Körperpflege. Mit einem Putzhandschuh oder einer sehr weichen Bürste kann man auch empfindliche Stellen gut pflegen. Auch der Genital- und Analbereich sollte gegebenenfalls kontrolliert und wenn nötig vorsichtig mit etwas Babyöl gereinigt werden.

Anzeichen für Schmerzen bei Katzen

Nach einem schmerzhaften Ereignis (z. B. nach einem Biss oder bei einer beginnenden Infektion) reagiert eine Katze vielleicht ganz natürlich mit Fauchen, Zurückweichen, Schreien oder aggressivem Verhalten. Nicht jedes Schmerzverhalten ist so offensichtlich. Zu den Anzeichen akuter Schmerzen gehören folgende Veränderungen:

  • Im Gesichtsausdruck: Erweiterte Pupillen oder Blinzeln.
  • In der Lautäußerung: Knurren, Fauchen, Wimmern, übermäßiges  Schnurren oder ungewohnt stilles Verhalten.
  • In der Empfindlichkeit der betroffenen Stelle: Verstecken oder Schützen der schmerzenden Stelle, Lecken oder Kauen an der schmerzhaften Stelle.
  • Im Aktivitätsniveau: Weniger Interesse am Spiel oder reduzierte Aktivität (oft nur still liegen)
  • Im Verhalten: Verstecken, Meidung von anderen Tieren oder Menschen, aggressives Verhalten oder übermäßige Anhänglichkeit
  • Im Appetit: reduzierter Appetit
  • Fellpflege: fehlendes Putzverhalten

Quelle: Bundesverband für Tiergesundheit e.V., Bonn, September 2017

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