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Ratgeber Zecken

Veröffentlicht am 13.03.2019

Zecken können gefährliche Krankheiten auf Hund und Katze, aber auch auf den Menschen übertragen. Mit dem Klimawandel gelangen neue Zeckenarten und damit neue Krankheitserreger nach Deutschland. Der ganzjährige Zeckenschutz wird deshalb immer wichtiger.

Zecken gibt es schon seit mehr als 100 Millionen Jahren. Sie sind also deutlich älter als der Homo sapiens, wahrscheinlich werden sie ihn auch überdauern. Denn es gibt kaum eine Spezies, die so anpassungsfähig ist wie diese Spinnentiere. Rund 900 Zeckenarten sind derzeit bekannt. Sie krabbeln auf der ganzen Welt herum, selbst in der Antarktis hat man sie schon gefunden.

In unseren Breiten sind vor allem der Gemeine Holzbock und die Auwaldzecke heimisch. Und es werden eher mehr als weniger. U.a. bedingt durch den Klimawandel tauchen immer wieder neue Arten bei uns auf, mit neuen Krankheiten im Gepäck. So wird bisweilen die Braune Hundezecke aus dem Mittelmeerraum nach Deutschland eingetragen. Forscher der Universität Hohenheim haben zudem im letzten Jahr während des ungewöhnlich heißen Sommers sieben Exemplare tropischer Zecken aus der Gattung Hyalomma in Deutschland entdeckt. Die vergleichsweise großen Tiere mit den auffällig gestreiften Beinen wurden vermutlich über Vögel eingeschleppt.

Durch das Robert Koch-Institut (RKI) wurden in zehn Bundesländern weitere Funde bestätigt. Experten befürchten nun, dass diese Zeckenart in Deutschland Einzug halten könnte. Möglicherweise mit fatalen Folgen, denn eines der Exemplare trug ein gefährliches Bakterium namens Rickettsia aeschlimannii in sich, den Erreger des Zecken-Fleckfiebers beim Menschen.

Im Jahr 2018 wurde ohnehin die höchste Anzahl an Zecken gesichtet, die jemals in Deutschland dokumentiert wurde. Experten prognostizieren, dass dieser Rekord 2019 erneut gebrochen werden könnte. Neben dem Anstieg der Zeckenpopulation insgesamt beobachten Experten die Ausbreitung von Zeckenarten, die bisher eher selten auftraten, wie zum Beispiel die Auwaldzecke, die sich regional in Deutschland immer weiter verbreitet.

Das erhöht die Gefahr für Krankheiten. Von medizinischer Relevanz für Hunde und Katzen sind die Borreliose und die Anaplasmose, die vom Holzbock übertragen werden. Diese Zeckenart ist zudem Überträger des insbesondere für den Menschen gefährlichen Erregers der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Aktuell sind in Deutschland 161 FSME Risikogebiete ausgewiesen. Ebenfalls von Bedeutung in unseren Breitengraden ist die zu den Buntzecken gehörende Auwaldzecke, die den Erreger der sogenannten Hundemalaria (Babesiose) übertragen kann. Nicht so häufig wie andere Zeckenarten ist die Braune Hundezecke, deren Hauptwirt der Hund ist. Seltener sind auch Katze oder Mensch betroffen.

Zecken können zwar ganzjährig überleben, so richtig aktiv werden sie aber meist mit steigenden Temperaturen, dies aber bereits im einstelligen Temperaturbereich. Wer sich und seine Tiere vor Krankheiten bewahren will, sollte sich also rechtzeitig um einen lückenlosen Zeckenschutz kümmern. Ein ganzjähriger Schutz scheint inzwischen angebracht. Vorsicht ist dabei vor vermeintlich „natürlichen“ Hausmitteln geboten. Gern genutzte Öle etwa können die Tiere sogar schwer schädigen. Besser ist es, auf zugelassene und hinsichtlich ihrer Wirksamkeit und Verträglichkeit geprüfte Tierarzneimittel zurückzugreifen. Der Tierarzt kann beraten, welches der Mittel für welches Tier das Beste ist.

Hintergrundinformationen Zecken

Zecken sind keine Insekten, sondern gehören zu den Spinnentieren. Das erkennt man an den typischen vier Beinpaaren der erwachsenen Parasiten. Zecken ernähren sich von Blut. Sie nutzen zum Blutsaugen stechende Mundwerkzeuge und einen mit Widerhaken besetzten Saugrüssel, der in die Haut des Wirtstieres eingebohrt wird. Zecken saugen nicht nur Blut, sondern übertragen dabei gefährliche Krankheitserreger.

Die häufigste in Deutschland vorkommende Zeckenart ist der Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus). Daneben spielen regional unterschiedlich weitere Arten eine Rolle, beispielsweise die Braune Hundezecke. Diese kommt in warmen Gegenden vor und kann bei Reisen in wärmere Regionen eingeschleppt werden. In beheizten Räumen bleiben sie dann lebensfähig. Auch die Auwaldzecke kommt in unseren Breiten immer häufiger vor.

Der Gemeine Holzbock

Holzböcke befallen als Parasiten nahezu alle Haus- und Wildsäugetiere und auch den Menschen. Die erwachsenen Männchen sind nur 2,2 - 2,6 mm groß, die Weibchen dagegen 3-4 mm, vollgesogen bis zu 11 mm. Ihre Farbe ist rotbraun bis blaugrau. Der Zyklus vom Ei bis zum erwachsenen Holzbock dauert zwischen 1,5 und 3 Jahren.

Die Entwicklung hängt weitgehend von der Temperatur und der Luftfeuchtigkeit ab; die optimalen Temperaturwerte liegen zwischen 17° und 20°C, die durchschnittlich erforderliche relative Luftfeuchtigkeit beträgt zwischen 80 % und 95 %. Daher bestehen typische jahreszeitliche Schwankungen des Vorkommens, der Entwicklung, der Aktivität und der Überlebensfähigkeit der Zecken.

In der Regel gibt es zwei Höhepunkte der Zeckenplage im Frühjahr und Herbst. Ein mildes Frühjahr und ein warmer Herbst verlängern die Aktivität des Holzbocks und begünstigen seine Vermehrung, ein langer Winter und ein kaltes Frühjahr ebenso wie ein heißer, trockener Sommer wirken dagegen hemmend.

Die Braune Hundezecke

Die Braune Hundezecke ist weltweit wohl die am häufigsten verbreitete Zeckenart. Die Männchen sind 2,7 - 3,5 mm groß, die Weibchen 3-4 mm, vollgesogen bis zu 11 mm. Der Körper ist birnenförmig und rotbraun mit gelbbraunen Beinen. Die Braune Hundezecke kann trotz ihres Namens auch Katzen befallen.

Die Braune Hundezecke benötigt in der Regel wesentlich weniger Zeit für den gesamten Zyklus als der Holzbock. Bei geeigneten Bedingungen ist die Entwicklung bis zum eiablegenden Weibchen innerhalb eines Jahres abgeschlossen. Es kommt daher nach rasanter Vermehrung sehr häufig zu einem Massenbefall.

Die Braune Hundezecke kann in unseren Breiten normalerweise nicht überwintern. Die kritische Temperatur für die Entwicklung beträgt 10°C, so dass in warmen Gebieten und beheizten Räumen gute Entwicklungsmöglichkeiten gegeben sind. Dort wird diese Zeckenart aufgrund der schnellen Vermehrung immer häufiger zu einem echten Problem.

Die Auwaldzecke

Diese Zeckenart kommt vorwiegend in feuchten Gegenden vor (Flussnähe, Auwälder, Moorlandschaften). Sie trägt ein Rückenschild, das bei den Männchen ganz und bei den weiblichen Zecken teilweise beige/schwarz/braun marmoriert (‚bunt') ist. Die ersten erwachsenen Zecken erscheinen im Frühjahr nach der Schneeschmelze und bleiben bis Juni aktiv. Ein zweiter Aktivitätsgipfel ist im September/Oktober zu verzeichnen. Die Auwaldzecke ist vor allem gefürchtet als Überträger von Blutparasiten, den Babesien.

Die Hyalomma-Zecke

Im vergangenen Jahr wurden erstmals tropische Zeckenarten der Gattung Hyalomma in Deutschland gesichtet. Die Zecken können sich aktiv auf ihren Wirt zubewegen und legen dabei eine Strecke von bis zu 100 Metern zurück. Auch der Mensch ist ein potenzieller Wirt der Tiere. Larven und Nymphen dagegen sind vor allem an Vögeln und Kleinsäugetieren zu finden. Sie benutzen das gleiche Tier zum Blutsaugen und bleiben bis zu 28 Tage auf ihrem Wirt und können so mit Zugvögeln nach Deutschland eingeschleppt werden. Die tropische Zecke benötigt größere Wirtstiere wie Pferde oder Schafe.

Hyalomma marginatum und Hyalomma rufipes sind ursprünglich in den Trocken- und Halbtrockengebieten Afrikas, Asiens und Südeuropas beheimatet. In Mittel- und Nordeuropa kamen sie bisher nicht vor. Mit ihren gestreiften Beinen sind sie eine auffällige Erscheinung, viel größer als der normale Holzbock, und sie tragen ein völlig anderes Pathogenspektrum als dieser. Im eurasischen Raum gelten beide Arten als wichtige Überträger des Virus, das das Hämorrhagische Krim-Kongo-Fieber verursacht und des Alkhumra-Virus, den Erreger des Arabisch Hämorrhagischen Fiebers. Auch das Bakterium Rickettsia aeschlimannii, das eine Form des Zecken-Fleckfiebers beim Menschen auslöst, kann durch diese Zecken übertragen werden. Daneben sind sie wichtige Überträger tropischer Erkrankungen der Nutztiere.

Der Weg der Zecken

Zur Wirtssuche erklettern die Nymphen und erwachsenen Zecken Gräser und Büsche bis etwa 1,5 m Höhe. Mit einem speziellen Organ, das im vorderen Beinpaar sitzt (so genanntes Hallersches Organ) erkennen sie ihren Wirt an dessen Kohlendioxidausstoß (Ausatemluft) und Körperwärme. Streift nun ein Wirtstier vorbei, klammern sie sich blitzartig an diesem fest und suchen anschließend zum Ansaugen geeignete Hautregionen auf, meist an Hals, Ohren und Kopf sowie Schenkel- und Achselhöhlen, wo die Haut besonders dünn ist. Dort bohren sie sich in die Haut ein. Der von den Zecken abgegebene Speichel enthält Enzyme, die das Gewebe auflösen. Dadurch entsteht unter der Haut eine Kaverne, die sich mit Blut füllt. Zur Ernährung saugt die Zecke Flüssigkeit aus der Kaverne und dickt sie ein.

Die Gefahr von Krankheiten

An der Stelle des Befalls kann heftiger Juckreiz und eine Schwellung auftreten, der aber häufig ohne weitere Folgen wieder abklingt. Bei stärkerem Befall können die Wirtstiere aber erheblich unter dem Zeckenbefall leiden, insbesondere wenn die Zecken an Stellen sitzen, wo sie nicht selbst durch Herauskratzen oder -beißen entfernt werden können, z.B. in der Nähe der Augen oder an der Vorderbrust. Besonders bei der Braunen Hundezecke darf auch der Blutverlust bei einem Massenbefall nicht unterschätzt werden. Ein adultes (ausgewachsenes) Weibchen saugt beispielsweise täglich bis zu einem halben Milliliter Blut.

Zecken übertragen für Mensch und Tier gefährliche Krankheitserreger, z.B. die Borreliose-Bakterien, die Gelenkentzündungen verursachen. In Mittelmeerländern spielen außerdem noch die durch Blutparasiten hervorgerufene Babesiose und Ehrlichiose als zeckenübertragene Infektionen eine Rolle.

Der Blutparasit Babesia canis, der die roten Blutkörperchen befällt, ist der Erreger der Babesiose. Akute Symptome sind hohes Fieber, Abgeschlagenheit und Appetitverlust. Im weiteren Verlauf kann es zu Durchfällen, blutigem Urin, Erbrechen, akutem Nierenversagen, neurologischen Symptomen und Atembeschwerden kommen.

Bei der Ehrlichiose befallen Bakterien die weißen Blutkörperchen und werden während der Blutmahlzeit der Zecke von ihr aufgenommen und dann weiter übertragen. Hauptsymptome der Erkrankung sind Fieber, Apathie, neurologische Symptome, Lahmheiten, geschwollene Gelenke, Gewichts- und Appetitverlust.

Für den Menschen besonders gefährlich

Der Gemeine Holzbock gilt als der Überträger der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Es wurden jedoch auch schon Auwaldzecken gefunden, in denen das FSME Virus nachgewiesen wurde, obwohl sie bisher nicht als Überträger galten.

Aktuell sind in Deutschland 161 FSME Risikogebiete ausgewiesen. Verbreitet ist die FSME vor allem in Bayern und Baden-Württemberg, in Südhessen, im südöstlichen Thüringen und in Sachsen. Neu dazugekommen sind insgesamt 5 Risikogebiete: in Sachsen (LK Sächsische Schweiz-Osterzgebirge), in Bayern (LK Garmisch-Partenkirchen, LK Landsberg a. Lech, SK Kaufbeuren) und in Niedersachsen: LK Emsland, der somit das bisher nördlichste Risikogebiet ist. FSME Erkrankungen treten auch in Bundesländern auf, die nicht als Risikogebiet gelten.

Wer sich auf dem Laufenden halten will, kann die Veröffentlichungen des Robert Koch-Instituts nutzen, die wöchentlich aktualisiert werden. 

Mit steigenden Temperaturen werden auch die Zecken aktiv. Sie lauern im Gras und warten auf ein passendes Wirtstier. Foto: BfT/Shutterstock Oleksiy Rezin
Mit steigenden Temperaturen werden auch die Zecken aktiv. Sie lauern im Gras und warten auf ein passendes Wirtstier. Foto: BfT/Shutterstock Oleksiy Rezin

Zecken - ein Gesundheitsrisiko für Mensch und Tier

Zecken können sowohl auf Menschen wie auch auf Tiere gefährliche Krankheiten übertragen. Daher sollten Haustiere, bevor sie wieder in die Wohnung kommen auf Zecken untersucht und mit Zecken abwehrenden und abtötenden Maßnahmen geschützt werden. Für die Behandlung sollten ausschließlich Ektoparasitika angewendet werden, die für die zu behandelnde Tierart zugelassen sind. Beim Hund sticht die Zecke bevorzugt in die Schenkel- und Ellbogenfalte, Ohrränder, Schnauze sowie zwischen den Zehen.

Neben der in unseren Breiten gängigsten Zeckenart - dem Holzbock (Ixodes ricinus) - haben sich in den letzten Jahren vermehrt auch andere Zeckenarten bei uns etabliert. Dazu gehören die Auwaldzecke (Dermacentor reticulatus) und die aus dem Mittelmeerraum stammende Braune Hundezecke (Rhipicephalus sanguineus). Letztere hat die unangenehme Eigenschaft, dass sie sich nicht im Wald oder dichtem Gestrüpp aufhält, sondern sich zumeist in Wohnungen und Häusern vermehrt und dort den Winter übersteht.

Die meisten Zeckenarten bevorzugen jedoch Waldregionen mit dichtem Unterholz als Lebensraum. Auch Parkanlagen sind oft von Zecken bevölkert und sogar der heimische Garten kann durchaus als Zeckenbiotop dienen. Dort warten sie dann auf ihre Opfer. Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland erstmals auch Exemplare tropischer Zecken der Gattung Hyalomma nachgewiesen. Diese sind deutlich größer als heimische Zeckenarten und können auch exotische Krankheitserreger übertragen.

Zecken als Krankheitsüberträger für Haustiere

Der Stich einer Zecke ist praktisch schmerzlos und wird daher in den seltensten Fällen wahrgenommen. Problematisch ist, dass Zecken mit ihrem Stich beziehungsweise während des Blutsaugens auch Krankheitserreger auf Mensch und Tier übertragen können. Alle Katzenbesitzer wissen zum Beispiel, dass ihre Lieblinge Zecken mit nach Hause bringen können. Aber im Gegensatz zu Hunden werden Katzen wesentlich seltener durch Zeckenstiche mit Krankheitserregern infiziert.

Die Gründe für dieses Phänomen sind nicht eindeutig geklärt: Möglicherweise ist es die verbesserte Fell- und Körperpflege gegenüber Hunden, so dass Zecken früher beseitigt werden können. Vielleicht liegt es auch daran, dass die Katze bei ihren Streifzügen seltener die Brutstätten der Zecken (Wald- und Auengebiete) aufsucht. In jedem Fall sind die gefährlichen Infektionen von Mensch und Hund wie Borreliose, Babesiose oder auch FSME bei Katzen nur sehr selten entdeckt worden.

Borreliose

Das Bakterium ist in ganz Europa verbreitet. Auch in Deutschland kommt die Borreliose flächendeckend vor. Die Infektionsrate der Überträgerzecken (Holzbock) ist je nach Gebiet sehr unterschiedlich. Nach Schätzungen sind stellenweise bis zu 50 Prozent der Zecken infiziert. Die Infektionserreger sind Borrelia-Bakterien. Die Bakterien breiten sich nach dem Zeckenstich über den Blutkreislauf im gesamten Körper des Hundes aus und können Organe, Gelenke und das Nervensystem befallen.

Bei Hunden und Katzen verläuft die Borreliose meist ohne ernsthafte Symptome. Allerdings kann der Hund an einer schmerzhaften Arthritis erkranken. Man geht davon aus, dass jeder dritte Hund sich irgendwann in seinem Hundeleben mit dem Erreger infiziert hat und Antikörper gegen Borrelien gebildet hat. Eine Impfung für den Hund gegen die Borreliose ist möglich. Wichtig sind vorbeugende Maßnahmen zur Vermeidung eines Zeckenstichs durch den Holzbock.

Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)

Die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) wird durch Viren ausgelöst, die durch den Stich des Holzbocks übertragen werden. Die Zahl infizierter Zecken in Hochrisikogebieten wird auf etwa ein bis vier Prozent geschätzt. Auch in der Auwaldzecke, die bisher nicht als Überträger galt, wurde das FSME Virus nun nachgewiesen[CS1] . In allen Gegenden, in denen ein Infektionsrisiko für den Menschen besteht, ist auch der Hund gefährdet. Anders als beim Menschen kommt es bei Hunden nur zu einer Erkrankung, wenn andere schwächende Faktoren hinzukommen.

Bisher sind klinische FSME-Fälle nur bei großen Hunderassen beschrieben worden, die unbehandelt meist tödlich verliefen. Dabei kommt es zunächst zu Fieber, bevor neurologische Störungen einsetzen, wie epileptische Anfälle, Übererregbarkeit, Bewusstseinstrübung, Schmerzen, Bewegungsstörungen oder Reflexbeeinträchtigungen. Ein Impfschutz gegen das FSME-Virus wie beim Menschen existiert zurzeit nicht, daher sollten stattdessen vorbeugende Maßnahmen gegen den Zeckenbefall durchgeführt werden.

Babesiose

Eine Krankheit, die bei den Hunden zunehmend an Bedeutung gewinnt, ist die Babesiose (auch als Hundemalaria bekannt). Babesia canis ist ein kleiner, einzelliger Parasit, welcher von Zecken während ihrer Blutmahlzeit in die Einstichstelle übertragen wird. Diese Einzeller dringen in rote Blutzellen ein und vermehren sich dort. Dabei gehen die Blutzellen zugrunde und es entstehen Entzündungs- und Abwehrreaktionen, welche für den Hund gefährlich werden können. Befallene Tiere zeigen unspezifische Krankheitssymptome wie Fieber, Blutarmut und Schwächezustände. Dem Hundebesitzer fallen oft blasse oder gelbe Schleimhäute und dunkelroter bis brauner Urin auf. Es können auch entzündliche Veränderungen der Augen sowie Netzhautablösungen auftreten. Im weiteren Verlauf kann das Zentralnervensystem geschädigt werden. Dann können Bewegungsstörungen und epileptische Anfälle auftreten.

Erkrankte Tiere müssen umgehend tierärztlich behandelt werden. Vor noch nicht allzu langer Zeit galt diese Krankheit als typische Reisekrankheit. Das heißt, Hunde, welche in Mittelmeerregionen mitgenommen wurden, erkrankten gelegentlich daran, nachdem sie von den dortigen Zecken gestochen worden waren. Nun sind mit der Auwaldzecke und der Braunen Hundezecke auch bei uns Zeckenarten heimisch geworden, welche als Überträger der Hundebabesien gelten.

Anaplasmose

Die Anaplasmose wird durch das Bakterium Anaplasma phagocytophilum hervorgerufen. Die Erreger befallen weiße Blutzellen und vermehren sich in ihnen. Übertragen werden die Anaplasmen durch den Holzbock (Ixodes ricinus). Grundsätzlich besteht also fast überall die Gefahr einer Übertragung. Krankheitsanzeichen der Anaplasmose beim Hund sind unter anderem plötzlich einsetzendes hohes Fieber, Teilnahmslosigkeit, Gewichtsverlust, Durchfall und Erbrechen, aber auch Gelenkentzündungen und zentralnervöse Störungen.

Da oft auch Borreliose-Erreger in den Zecken vorhanden sind, können beide Erregertypen während eines Zeckenstiches in den Hundekörper gelangen. Dies erschwert die Zuordnung der beobachteten Krankheitssymptome. Die Infektion verläuft in der Regel nicht chronisch, kann aber erneut auftauchen, wenn das Immunsystem des Hundes in den Monaten nach der Infektion geschwächt ist. Zur Diagnose und Behandlung muss der Tierarzt aufgesucht werden. Ein Impfschutz gegen Anaplasma-Bakterien existiert zurzeit nicht, daher sollten stattdessen vorbeugende Maßnahmen gegen den Zeckenbefall durchgeführt werden.

Ehrlichiose

Die Ehrlichiose, genauer gesagt das Bakterium Ehrlichia canis, wird nach derzeitigem Wissensstand in Europa nur von der Braunen Hundezecke (Rhipicephalus sanguineus) übertragen. Diese ist ab Zentralfrankreich südwärts im Mittelmeerraum sowie in Portugal heimisch. Ein besonderes Risiko geht deshalb von Zecken aus, die aus einem südlichen Urlaubsland als unerwünschtes Souvenir mitgebracht werden. Sie können monatelang in warmen Verstecken etwa in der Garage oder Wohnhäusern überleben. Die Ehrlichien befallen weiße Blutzellen, in denen sie sich vermehren. Eine Ehrlichiose beginnt beim Hund meist "schleichend" und es kann mitunter Jahre dauern, bis die Krankheit ausbricht.

Erkrankte Hunde zeigen zuerst unspezifische Symptome wie Abgeschlagenheit und Fieber. Im weiteren Verlauf der Erkrankung tritt eine erhöhte Blutungsneigung auf, die sich zum Beispiel durch Nasenbluten äußert. Ein Impfschutz gegen Ehrlichia-Bakterien existiert zurzeit nicht, daher sollten stattdessen vorbeugende Maßnahmen gegen den Zeckenbefall durchgeführt werden.

Hepatozoonose

Die Krankheit wird durch den Einzeller Hepatozoon canis ausgelöst, einem Organismus, der nur aus einer Zelle besteht. Die meisten Infektionen bleiben symptomlos, aber es kann zu einem Ausbruch kommen, wenn das Immunsystem des Hundes geschwächt ist, oder bei gleichzeitiger Infektion mit anderen Erregern wie Ehrlichien oder Babesien. Hepatozoonose tritt vor allem bei Hunden auf, die aus Portugal, Südspanien oder von den Kanarischen Inseln stammen. Überträger des Einzellers ist die Braune Hundezecke.

Zeckenparalyse

Das Speichelsekret vieler Zecken, zu denen auch Schildzecken und die Braune Hundezecke gehören, enthält Nervengifte, um das Gewebe beim Zeckenstich zu betäuben. In manchen Fällen, die von der Zeckenart, aber auch von Zustand und Immunsystem des Opfers abhängen, kann das Nervengift eine lähmende Wirkung haben und zur Paralyse führen. Es ist nicht bekannt, welche Faktoren die Ausbildung giftigen Zeckenspeichels beeinflussen. Da viele Zecken eine paralytische Reaktion erzeugen können, kommt die Paralyse prinzipiell überall vor, aber sie wird nur selten beobachtet. Die Symptome bessern sich auch meist schnell, wenn die giftige Zecke entdeckt und entfernt wird.

Was noch zu tun ist!

Zecken sollte man sofort entfernen. Das ist nicht einfach, denn die kleinen Blutsauger sind im Fell von Hund und Katze nur schwer auszumachen. Erst vollgesogene Exemplare, die auf etwa einen Zentimeter Größe heranwachsen, sind mit dem Auge gut zu erkennen. Nahezu unmöglich ist es, die frühen Entwicklungsstadien der Larven und Nymphen zu finden. Doch auch diese stechen schon zu, da sie für jeden Wachstumssprung eine Blutmahlzeit benötigen. Hunde- und Katzenhalter sollten besonderen Wert darauf legen, ihre Tiere mit zeckenabwehrenden und abtötenden Produkten zu schützen. Gegen die Borreliose Erreger, die vom „Gemeinen Holzbock“ übertragen werden, können Hunde auch geimpft werden.

Quelle: Bundesverband für Tiergesundheit e.V., 13.03.201

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