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Alkoholprobleme auf Arbeit

Veröffentlicht am 15.05.2015

Rund ein Viertel aller Arbeitsunfälle gehen auf das Konto von Alkoholproblemen.

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Leichter Alkoholmissbrauch bis zu schweren Formen des Alkoholismus betreffen alle sozialen Milieus und in Unternehmen genauso Manager wie normale Arbeitnehmer.

Für Unternehmen sind Mitarbeiter mit Alkoholproblemen eine große Herausforderung. Neben den Unfällen gibt es oft Probleme mit häufigen Krankschreibungen, unerlaubtes Fernbleiben. Alkalisierte Mitarbeiter schaffen häufig auch ein angespanntes Betriebsklima.

Arbeitsrechtlich schwierig

Problematisch ist die Alkoholsucht aus Sicht der Unternehmen beim Arbeitsrecht. Schon vor einen Jahren hat das Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz in Mainz einer Arbeitnehmerin Recht gegeben, die gegen ihre fristlose Kündigung geklagt hat. Das Gericht stellte fest, dass man der Frau zuerst eine Chance auf einen Entzug geben musste, bevor man sie kündigt.

Alkoholmissbrauch und Alkoholismus sind als anerkannte Krankheitsbilder, deshalb betreffen die Kündigungen oft die Arbeitsumstände durch die Sucht, wie das unerlaubte Fernbleiben von der Arbeit.

Neben den gravierenden psychischen Auswirkungen der Sucht sind viele körperliche Folgeschäden für die Betroffenen bekannt, die fast alle Organe betreffen können. Die schlimmsten Diagnosen sind Leberzirrhosen oder Kehlkopf- und Bauchspeicheldrüsenkrebs. Die körperliche und psychische Leistungsfähigkeit nimmt bei einem Mann mit rund 70 Kilogramm bei einem Liter Bier und ein zwei Gläser Wein bereits ab.

Ab ca. 0,5 Promille kommt es zu Verhaltensveränderungen wie veränderte Kritikfähigkeiten. Ab diesem Wert gehen Suchtexperten davon aus, dass auch die Konzentrationsfähigkeit darunter leidet.

Vielschichtige Therapieansätze

Man versucht neben den bekannten stationären Suchttherapien immer mehr die Hausärzte einzubinden, um nach einer Entgiftung, eine ambulante Betreuung mit einer persönlichen Bezugsperson langfristig aufzubauen. In professionell geführten Unternehmen spielen Gesamtkonzepte zur Suchtprävention eine wichtige Rolle. Gerade kleinere Unternehmen des Mittelstandes tun sich mit dem Thema Süchten am Arbeitsplatz noch etwas schwer.

Für die Betroffenen selbst gibt es eine Reihe an gemeinnützigen Organisationen, die allerdings auch ihre eigenen Denk- und Suchtpräventionskonzepte haben. Nicht jeder Alkoholsüchtige muss sich in einer Organisation richtig aufgehoben füllen.

In jeder Stadt und Gemeinde gibt es heute Ansprechpartner für Alkoholbetroffene und Arbeitgeber. Viele Präventionsangebote bieten die Krankenkassen – auch zum Umgang mit Alkohol in Unternehmen. Handlungsempfehlungen findet man, durch das Bundesgesundheitsministerium unterstützt, im Rahmen des EWA-Projekts, an dem 12 europäische Länder beteiligt waren.

Ein Kompetenzzentrum ist die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) in Hamm. Hier findet man alle Informationen, wie die aktuellen Projekte und Kampagnen zu Suchtfeldern.

Gesamtheitlicher Behandlungsansatz notwendig

Grundsätzlich gehören Alkoholprobleme in die Hände von Therapeuten. Es gibt vielfältige Therapieangebote, die in spezialisierten Suchtkliniken meistens über sechs Wochen und mehr gehen. Naturheilmittel aus der Alternativmedizin wie homöopathische Kombinationsmittel werden nach einer professionellen Therapie meistens begleitend zu Symptomen wie nervöser Unruhe, Schlafstörungen oder Ängsten eingesetzt.

Antidepressive und Co.

Nicht unproblematisch bei der Arbeit sind verschreibungspflichtige Medikamente wie Antidepressiva, die gerne bei Alkoholikern nach der Entgiftung eingesetzt werden. Sie haben zahlreiche Nebenwirkungen, die sich auch auf die Arbeit auswirken können, so zum Beispiel bei der Bedienung von Maschinen oder bei gefährlichen Arbeiten. Unter den Medikamenten kann auch die Konzentrationsfähigkeit und Kreativität leiden.

 

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Anti-Alkohol-Pillen

In jüngster Zeit sind neue Pillen gegen Alkohol auf den deutschen Markt gekommen, die auf das Gehirn wirken und die Lust zum Trinken eindämmen sollen. Ein Wirkstoff ist Nalmefen, der früher zur Behandlung von Opiatvergiftungen eingesetzt wurde. Solche Wirkstoffe blockieren die Rezeptoren des Belohnungszentrums im Gehirn. Vor allem die nicht zu unterschätzenden Nebenwirkungen sollte man mit dem Arzt besprechen.

Die Therapie mit den neuen Medikamenten soll mit einer schrittweisen Reduktion des Alkohols verbunden sein. Therapien werden in der Regel auch mit den neuen Medikamenten von den Krankenkassen bezahlt.

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Link zum Selbsttest - 16 Fragen zu Ihrem Alkoholkonsum

Quelle: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA)

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