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Familiärer Umgang mit Neurodermitis

Veröffentlicht am 01.08.2017

Neurodermitis ist sowohl für die Kinder als auch die Eltern belastend. Die akuten Krankheitsschübe lösen große Leidensphasen bei den Kindern aus und führen häufig zu Überforderungen der Eltern.

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Überforderungen, vor allem der Mütter als engste Bezugspersonen der Kleinkinder, können sich bis zur Aggression gegen die Neurodermitis bzw. die Kinder selbst aufschaukeln. Gerade bei Babys und Kleinkindern ist das Mutter-Kind-Verhältnis im Alltag sehr ausgeprägt.

Mütter als engste Bezugspersonen neigen oftmals zu Schuldgefühlen, die allerdings bei Neurodermitis nicht angebracht sind. Da Kinder sehr sensibel auf psychische Veränderungen der Bezugspersonen reagieren, kann sich die Neurodermitis bei Erregungen der Eltern oder Geschwister noch verschlechtern. Es entsteht ein Teufelskreis, der Kind und Eltern in Atem hält.

Gefühlsschwankungen begünstigen Neurodermitis

Stress, nervöse Unruhe und starke Gefühlsschwankungen seitens der Eltern wirken sich nachweislich auf das Hautbild der kleinen Neurodermitiker aus. Es gibt einige Ansatzpunkte, wie man die angespannte Gesamtsituation positiv auflösen kann.

Für Mütter eignen sich Entspannungstrainings wie Autogenes Training, Yoga oder die Muskelrelaxation nach Jacobson. Kinder ab drei Jahren können teils die Übungen mitmachen - ab dem siebten Lebensjahr eigenständig. Eltern wie Kinder profitieren immens von den entspannten Momenten.

Oft löst eine harmonische Beziehung zum Vater eine angespannte Mutter-Kind-Beziehung im Krankheitsbild auf. Professionelle Betreuungsmöglichkeiten außerhalb des engen Familienverbundes können positiv auf beiden Seiten wirken.

Gerade bei akuten Neurodermitis-Schüben richtet sich die ganze elterliche Aufmerksamkeit auf die Kinder. Trotz aller Zuwendung sollte die Krankheit den Alltag nicht dominieren, dies ist für beide Seiten sehr belastend und löst oft noch mehr Ekzemschübe aus.

Familiäre Beziehungsprobleme treten auch auf, wenn sich die Geschwister zurückgesetzt fühlen und selbst „krankheitsbedingte“ Alltagssituationen schaffen, um mehr Zuwendung zu erfahren. Oft wird die Neurodermitis bei Kindern instrumentalisiert, d.h., bis zu einem gewissen Punkt wird die Krankheit später als Durchsetzungsmoment eingesetzt.

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Eigenverantwortlicher Umgang mit Neurodermitis fördern

Eltern sollten mit dem Kind ein Selbstkonzept zur Neurodermitis erarbeiten und unbedingten Rückhalt bieten. Die Behandlung als krankes Kind verstärkt nachhaltig die alltägliche „Krankheitsbeziehung“ zu den Eltern, was sich negativ in der selbstbewussten Kindesentwicklung auswirken kann. Ein gesundes Selbstvertrauen aufzubauen ist für das Kind sehr wichtig. Die Reflektion eigener Fähigkeiten und Erfahrungen spielt in der kindlichen Entwicklung eine zentrale Rolle.

Wird das Kind selbstständiger, so sollte man den eigenverantwortlichen Umgang mit Neurodermitis immer mehr fördern. Vor allem sollte man Rat einholen, wie das Kind mit den extremen Juckreizen und dem Kratzen umgehen soll.

Das Kratzen bei starken Juckreizen zu verbieten empfehlen Psychologen eher nicht, da es Schuldgefühle auslösen kann. Besonders sollten sich Eltern und kindliche Neurodermitiker über die Themen Ernährung und Hautpflege unterhalten. Bezugspersonen wie Freunde, Erzieher und Lehrer sollten über die Erkrankung des Kindes informiert werden. Es müssen bestimmte Verhaltensmaßnahmen besprochen werden. Bei heftigen Allergien sollte man Notfallmaßnahmen besprechen.

Zu einem gesunden Umgang mit Neurodermitis gehört bei Kindern wie Erwachsenen ein geregelter Tagesablauf. Vor allem auch das Schlafengehen sollte ritualisiert werden. Ein erholsamer Schlaf fördert nicht nur die Konzentrations- und Leistungsfähigkeit, sondern ist auch in Bezug auf die nächtlichen Kratzattaken wichtig.

Bei Kleinkindern können spezielle Schlafanzüge mit Fäustlingen oder auch Baumwollhandschuhe nützlich sein. In der Nacht sollte man bei Kleinkindern nicht zu viel Wirbel machen und die Kinder bei Neurodermitis-Attacken ohne großes Aufheben behandeln. Cremes oder Kühlelemente gehören neben das Bett.

Praktische Tipps zum Umgang mit der Krankheit

  • Die psychische Verfassung der Eltern überträgt sich auf das Kind.
  • Psychische Belastungen in der Familie durch besonders verhaltensauffällige Kinder kann man gut mit einem Psychotherapeuten aufarbeiten.
  • Niemand ist schuld an der kindlichen Neurodermitis.
  • Wird das Kind in seiner Entwicklung zu sehr eingeengt? Wenn ja, mehr Freiräume schaffen.
  • Eine harmonische Beziehung zum Vater oder den Geschwistern entspannt eine angespannte Mutter-Kind-Bindung.
  • Ein Schlafritual fördert das Einschlafen.
  • Der Schlaf sollte für das Kind erholsam sein. Das Kinderzimmer sollte kühl sein.
  • Weiche und luftige Kleidung ist gut für die sensible Haut.
  • Fördern Sie die Selbständigkeit des Kindes und den eigenverantwortlichen Umgang mit Neurodermitis.

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