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Homöopathie bei Endometriose

Veröffentlicht am 18.03.2017

Eine neue Studie untersuchte die Wirksamkeit von potenziertem Östrogen bei Patientinnen, denen die Standardtherapie keine ausreichende Linderung Ihrer Beschwerden gebracht hatte.

Endometriose ist eine gutartige Wucherung der Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) außerhalb der Gebärmutterhöhle. Betroffen sind etwa 10-15% der Frauen im gebärfähigen Alter.

Wie die reguläre Gebärmutterschleimhaut verändert sich auch das im Verlauf einer Endometriose neugebildete Gewebe innerhalb des Menstruationszyklus. Die Erkrankung tritt meist im unteren Bauch- bzw. Beckenraum auf und kann Schmerzen verursachen oder sogar zur Unfruchtbarkeit führen. Eine Kausaltherapie existiert bislang nicht, zumal die Ursachen der Endometriose nicht geklärt sind.

Die Behandlung schließt die Einnahme Nichtsteroidaler Antirheumatika (NSAR) sowie eine hormonelle Hemmung des Menstruationszyklus ein. Die Ultima Ratio ist die operative Entfernung oder Zerstörung der unerwünschten Gebärmutterschleimhaut. Sämtliche Behandlungsoptionen können schwerwiegende Langzeiteffekte haben.

Laut einer aktuellen Übersichtsarbeit ist beispielsweise die Substanzgruppe der NSAR, zu der auch Ibuprofen gehört, allein in den USA jährlich für mehr als 100.000 Krankenhauseinweisungen sowie 16.000 Todesfälle verantwortlich.[1] Eine effektive, nebenwirkungsarme und sichere Therapieoption würde daher eine deutliche Verbesserung der Versorgung von Endometriosepatientinnen bedeuten.

Was wurde wie an wem gemessen?

Die vorliegende randomisierte, placebokontrollierte Doppelblindstudie [2] untersuchte die Wirksamkeit von potenziertem Östrogen an 50 Frauen im Alter zwischen 30 und 40 Jahren, bei denen die medikamentöse Standardtherapie bisher nicht oder nur unzureichend gewirkt hatte.

Die Probandinnen wurden nach dem Zufallsprinzip auf zwei Gruppen verteilt, von denen die eine Östrogen (17-ß-Östradiol) in unterschiedlichen Potenzstufen (jeweils acht Wochen C12, C18 und C24) erhielt, die andere ein vom Verum nicht unterscheidbares Placebopräparat. Alle Patientinnen nahmen zweimal täglich drei Tropfen der Prüfmedikation ein.

Die Autoren heben hervor, dass ein Einschlusskriterium das Vorliegen von Symptomen war, die typischerweise mit der Einnahme von substanziellen Östrogenpräparaten assoziiert werden (z.B. Ängstlichkeit, Migräne, Verstopfung etc.).

Etwaige Standardtherapien wurden in beiden Studienarmen unverändert fortgesetzt. Während der 24 Wochen dauernden Behandlungsphase wurden regelmäßig Aufzeichnungen über die Häufigkeit und Intensität des endometrioseassoziierten Beckenschmerzes gemacht. Als sekundäres Zielkriterium wurde unter anderem die Beeinträchtigung durch Menstruationsschmerzen gemessen. Zusätzlich wurde mittelst eines Standardfragebogens (SF36) die krankheitsbezogene Lebensqualität erhoben.

Einschätzung

Die vorliegende randomisierte, placebokontrollierte Doppelblindstudie belegt die spezifische Wirksamkeit von potenziertem Östrogen bei Patientinnen, die an Endometriose leiden. In Bezug auf die Gruppenzuteilung, die Verblindung, die Placebokontrolle sowie die statistische Auswertung der Daten liegt die Studie auf methodisch hohem Niveau.

Der gemessene Behandlungserfolg ist mit einer Besserung von 29% klinisch relevant und dürfte die untersuchte homöopathische Intervention für Endometriosepatientinnen als interessante Option erscheinen lassen. Besonders hervorzuheben ist, dass in dem untersuchten Kollektiv keine hinreichende Linderung der Beschwerden durch eine Standardtherapie erzielt werden konnte.

Der präsentierte Therapieeffekt liegt in einer Größenordnung, wie sie auch von anderen Arbeiten zur Wirksamkeit der homöopathischen Behandlung bei unterschiedlichen Erkrankungen beobachtet worden ist.[3-6]

Literatur


1) Wiegand, T.J.; Vernetti, C.M.: Nonsteroidal Anti-inflammatory Drug (NSAID) Toxicity. Medscape, 22.12.2016. Öffnet externen Link in neuem FensterVolltext

2) Teixeira, M.Z.; Podgaec, S.; Baracat, E.C.: Potentized estrogen in homeopathic treatment of endometriosis-associated pelvic pain, A 24-week, randomized, double-blind, placebo-controlled study. Eur J Obstet Gynecol Reprod Biol 2017; 211: 48-55. Öffnet externen Link in neuem FensterAbstract

3) Witt, C.M., Lüdtke, R., Baur, R. & Willich, S. (2005): Homeopathic Medical Practice: Long-Term Results of a Cohort Study with 3981 Patients. In: BMC Public Health, 5, 115. Öffnet externen Link in neuem FensterVolltext

4) Rossignol M et al.: Impact of physician preferences for homeopathic or conventional medicines on patients with musculoskeletal disorders: results from the EPI3-MSD cohort. Pharmacopepidemiol. Drug Saf. 2012, 21(10): 1093-101. Öffnet externen Link in neuem FensterAbstract

5) Riley D, Fischer M, Singh B, Haidvogl M, Heger M. Homeopathy and conventional medicine: an outcomes study comparing effectiveness in a primary care setting. J Altern Complement Med. 2001 Apr;7(2):149-59. Öffnet externen Link in neuem FensterAbstract

6) Thompson, E.; Viksveen, P.; Barron, S.: A patient reported outcome measure in homeopathic clinical practice for long-term conditions. Homeopathy 2016; 105(4): 309-317.

Quelle: Karl und Veronica Carstens-Stiftung, Dr. Jens Behnke, Essen

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