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Verbesserte Heilung von Venengeschwüren mit dem Rindenextrakt der Seekiefer

Veröffentlicht am 28.01.2017

Die orale Einnahme von Pycnogenol® erweist sich als ähnlich wirksam wie eine bewährte Kombination der Flavonoide Diosmin und Hesperidin.

Weltweit leiden circa 30% der Erwachsenen unter chronischer Venenschwäche, Frauen viermal so häufig wie Männer. Eine der unangenehmsten Komplikationen im Zusammenhang mit dieser Gefäßerkrankung ist die Bildung von schlecht heilenden und wiederkehrenden Geschwüren, medizinisch Ulcus cruris, im Volksmund auch als Offenes Bein bezeichnet.

Der unter dem Handelsnamen Pycnogenol® bekannte, standardisierte Extrakt der Seekiefer Pinus pinaster hat gemäß früherer klinischer Studien eine antioxidative und antientzündliche Wirkung in der Behandlung chronischer Veneninsuffizienz, ohne schwerwiegende Nebenwirkungen hervorzurufen.

Im Fokus der vorliegenden randomisierten Studie [1] stand nun die Frage, ob eine orale Gabe des Kiefernextraktes ebenfalls die Heilung venöser Geschwüre begünstigen und eine Wiederkehr verhindern kann. Über einen Zeitraum von 90 Tagen erhielten Patienten mit offenen Venengeschwüren der Klasse C6 jeweils oral entweder 3-mal täglich 50 mg Pycnogenol® oder zweimal täglich eine klinisch erprobte [2] Kombination aus den Flavonoiden Diosmin (450 mg) und Hesperidin (50 mg).

Die Medikation erfolgte zusätzlich zur täglichen Wundversorgung bestehend aus Wundreinigung, Salbenauflage und Kompressionsverband. Die Studienteilnehmer wurden angehalten, sich zu schonen und längeres Stehen zu vermeiden. Alle 15 Tage wurde die Ausprägung der Geschwüre untersucht und photographisch dokumentiert sowie die Ödembildung durch Messung des Beinumfangs ober- und unterhalb des Fußgelenkes erfasst.

In beiden Versuchsgruppen verringerte sich die Größe der Geschwüre deutlich. In der Pycnogenol-Gruppe zeichnete sich dies bereits nach 45 Tagen ab, in der Diosmin/Hesperidin-Gruppe erst nach 60 Tagen. Die statistische Auswertung des Wirkunterschiedes zwischen den beiden Gruppen ergab eine Tendenz zugunsten des Rindenextraktes.

Hinsichtlich der Ödembildung in den betroffenen Beinen profitierten beide Versuchsgruppen gleichermaßen; auch hier erreichte der Effekt durch eine Pycnogenol®-Behandlung frühzeitiger statistische Signifikanz (45 Tage im Gegensatz zu 90 Tagen mit Diosmin/Hesperidin).

Einschätzung

Eine begleitende Medikation von Ulcus cruris-Patienten mit dem Rindenextrakt der Seekiefer Pinus pinaster stellt offenbar eine gleichwertige Behandlung zur oralen Verabreichung der Flavonoidkombination Diosmin/Hesperidin dar. Für Patienten, die auf das Flavonoid-Präparat empfindlich reagieren (z.B. mit Unwohlsein, Migräne, Schwindel oder Hautreaktionen), könnte Pycnogenol® eine probate Alternative sein, da unter dieser Behandlung bisher lediglich leichte Verdauungsbeschwerden als unerwünschte Nebenwirkung verzeichnet wurden.

Eindeutige Rückschlüsse lässt die vorliegende Studie jedoch noch nicht zu, da die Probandenzahl durch das Ausscheiden von mehreren Personen für eine statistisch valide Auswertung zu niedrig war. Eine längerfristig angelegte Studie könnte überdies Aufschluss über die Nachhaltigkeit der Behandlung, insbesondere in Hinblick auf die Rezidive geben.

Literatur

1) Toledo RR, de Castro Santos MER, Schnaider TB. Effect of Pycnogenol on the healing of venous ulcers. Ann Vasc Surg 2017; 38: 212-219. Öffnet externen Link in neuem FensterAbstract
2) Smith PC. Daflon 500 mg and venous leg ulcer: new results from a meta-analysis. Angiology 2005; 56(Suppl 1): S33-S39.

Quelle: Karl und Veronica Carstens-Stiftung, Essen, 01/2017

Autorin: Dipl.-Biol. Petra Koczy

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