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Sechs-Phasen-Tabelle in der Homöopathie

Veröffentlicht am 15.03.2016

In der homöopathischen Lehre gibt die Sechs-Phasen-Tabelle Auskunft über den Schweregrad einer Erkrankung. Für das Verständnis von Krankheiten in der Homöopathie spielt dieses Koordinatensystem eine wichtige Rolle.

Die klassische wie moderne Homöopathie geht davon aus, dass unsere Gesundheit ein labiles Gleichgewicht besitzt, entsprechend wird Krankheit als eine Störung dieses Gleichgewichts verstanden.

Der Begründer der modernen Homöopathie, der Arzt und Pharmakologe Hans-Heinrich Reckeweg (1905–1985), erkannte, das Krankheitssymptome spezifische Abwehrbemühungen des Körpers darstellen, um den  gesunden Ursprungszustand wieder herzustellen. Giftstoffe, Bakterien, Viren, psychische Belastungen und andere umweltbedingte Ursachen lösen Krankheiten aus – aber auch interne Fehlleitungen unseres Immunsystems.

Die Belastung des Körpers mit Stoffwechselgiften kann man nach Reckeweg zuerst durch biologische Aktivierungs- und Regulationsprozesse lindern. Mit der Sechs-Phasen-Tabelle fand er ein Koordinatensystem für den Schweregrad einer Erkrankung.

In den ersten zwei Phasen ist der Körper noch in der Lage, die Homotoxine auszuscheiden. Reckweg schrieb hierzu: „Entweder gewinnt dabei der Körper oder aber er verliert den Kampf.“

In der dritten und vierten Phase ist die Belastung schon so weit fortgeschritten, dass der Körper beginnt die Homotoxine im Bindegewebe zwischenzulagern.In den letzten Phasen sind die Homotoxine in den Zellen verankert und schädigen die Organe nachhaltig.

Bei der Beurteilung einer Krankheit durch den Homöopathen ist die Krankheitsevolutionstabelle (KET) ein zentrales Instrument, das sie eine Aussage über die Entwicklung einer Krankheit gibt. Nach dem Krankheitsverlauf richtet sich vor allem die Wahl des homöopathischen Mittels.

Mit den Grundlagen der Homotoxikologie wurde eine neue Epoche in der Homöopathie eingeleitet. Das Prinzip der Krankheitsevolution hat sich in der Komplementärmedizin einen Namen gemacht. Reckeweg schuf mit seiner Lehren eine Brücke zwischen der wissenschaftlichen Medizin und der Homöopathie, was im Resultat die moderne Homöopathie mit begründete.

 

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Der Abwehrprozess des Körpers in den sechs Phasen:

1. Exkretionsphasen

Hier versucht der Körper die Homotoxine mittels Ausscheidung aus dem Körper zu bekommen. Symptome sind zum Beispiel Schnupfen, Durchfall oder ähnliches.

2. Reaktionsphasen

Der Organismus versucht über Entzündungen die Schadstoffbelastung zu verringern, zum Beispiel bei einer Viruserkrankung durch Ausschleusung von Schleim. Hier sollten keine entzündungshemmenden oder antibiotischen Medikamente eingesetzt werden, die die Ausscheidung behindern. Vor allem die biologische Regulation durch aktivierende Arzneien wie Homöopathika steht im Mittelpunkt der Behandlung.

3. Depositionsphasen

Hier beginnt der Organismus die Giftstoffe im Körper abzulagern. Der Organismus ist an seine Grenze geraten und kann die Toxine nicht mehr ausscheiden oder zu mindestens neutralisieren. Vor allem betroffen von dieser Phase sind Menschen, die ein geschwächtes Immunsystem haben. Akute und chronische Entzündungen im Bindegewebe, in den Gelenken oder Muskeln können sich manifestieren.

4. Imprägnationsphasen

In dieser Krankheitsphase schädigen die Toxine bereits die Organzellen. Allergische Reaktionen werden unter anderem verfestigt, weshalb Allergien zu den klassischen Erkrankungen der vierten Phase gehören. Zur vierten Phase zählen Beschwerden durch Gallen-, Blasen- oder Nierensteine. Die Übergänge zur fünften Phase sind fließend.

5. Degenerationsphasen

Die Degenerationsphase ist eine nachhaltige Veränderungsphase, wie chronische Krankheiten wie Diabetes mellitus, Arteriosklerose oder Arthrose entstehen. Hier verändert sich vor allem das Blutbild und Gefäße wie Organe sind nachhaltig geschädigt.  

6. Dedifferenzierungsphasen oder Neoplasmaphasen

In der letzten Phase entwickeln sich zumeist bösartige Erkrankungen. In dieser Phase kann der Krankheitsverlauf wie bei Krebs nicht mehr eindeutig bestimmt werden. Entartungen können im Krankheitsverlauf zwischen den Phasen wandern.

Fazit: Krankheiten sind sinnvolle Reaktionen des Körpers auf gesundheitliche Belastungen. Je schwerer eine Krankheit, desto höher die Phase, der sie zugeordnet ist.

Reckeweg ordnete in seinem Koordinatensystem Humorale Phasen (Organsystem und Exkretionsphasen) den Matrix-Phasen (Reaktionsphasen und Depositionsphasen) zu. Beispiele: Haut – Schwitzen – Akne – Fehlbildung der Haut oder Atemwege – Husten mit Auswurf – Akute Bronchitis – Raucherlunge.

 

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Vikariation und biologischer Schnitt

Die sechs Phasen einer Gesundheitsstörung werden in der Homöopathie nicht als starre Gebilde angesehen. Krankheitsverläufe können vielmehr in den Phasen wandern, was man in der modernen Homöopathie Vikariation (lat. vicarius = stellvertretend, verlagern) nennt. Der biologische Schnitt umschreibt in der Lehre die Grenze zwischen der Ablagerungsphase (3. Phase) und der Zellerkrankungsphase (4. Phase).

Krankheitsphasen vor dem biologischen Schnitt lassen sich in der Regel noch gut behandeln und heilen oft völlig aus. Nach dem biologischen Schnitt verläuft die Heilung schwieriger. Aspekte wie Veranlagung oder die Krankheitsbereitschaft spielen bei dieser Grenze mit ein.

Der biologische Schnitt ist keine Einbahnstraße, vielmehr wird in der modernen Homöopathie versucht, sowohl das Entgiftungssystem als auch das Immunsystem und die Organfunktionen soweit zu stärken, dass eine Genesung oder Besserung der Symptome erzielt werden kann oder dass zumindest eine Verschlimmerung verhindert wird.

Eine homöopathische Therapie ist nach dem biologischen Schnitt länger, da hier die Toxine schon in die Zellstrukturen der Organe vorgedrungen sind. Die Schadstoffe haben sich bereits manifestiert und die natürlichen Selbstheilungskräfte sind nicht mehr in der Lage die Toxine alleine zu bekämpfen.

Moderne Komplexmittel für bestimmte Krankheitsbilder sollen die akuten Symptome bekämpfen und eine natürliche Regulation im Organismus unterstützen. Die Ausleitung von Schadstoffen durch Homöopathika spielt bis heute nach der Lehre Reckewegs eine zentrale Rolle, zum Beispiel bei der Behandlung von Allergien, Virusinfektionen oder Gelenkentzündungen. Besonders wichtig ist die Anregung der biologischen Selbstheilungsprozesse. Man spricht deshalb bei modernen Komplexmitteln von regulativ-biologischen Arzneimitteln. 

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