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Licht und viel Schatten bei Cannabis als Medizin

Veröffentlicht am 24.04.2019

Es jährt sich das Inkrafttreten des Gesetzes zu Cannabis als Medizin zum zweiten Mal. Viele Patienten profitieren bereits davon, aber es gibt noch erhebliche Probleme.

2018 wurden rund 142.000 Kassenrezepte ausgestellt. Der Deutsche Hanfverband (DHV) geht aktuell von 50-60.000 Privat- und Kassenpatienten aus. Vor dem 10.03.2017 hatten ca. 1.000 Patienten per Ausnahmegenehmigung Zugang zu Hanfblüten aus der Apotheke. Auch Fertig- und

Licht und viel Schatten bei Cannabis als Medizin

Rezepturarzneimittel wurden schon davor an einige tausend Patienten verschrieben. Insgesamt hat sich die Zahl der Patienten, die von einer Cannabis-Verschreibung profitieren, in den letzten zwei Jahren ungefähr verzehnfacht. Diese Entwicklung sieht der Hanfverband grundsätzlich positiv. Allerdings gibt es noch viele Probleme und Hemmnisse, die den Zugang zu Cannabis als Medizin erschweren.

Ärzte sind zurückhaltend bei der Verschreibung

Ärzte sind nach wie vor zurückhaltend bei der Verordnung von Cannabis aufgrund der hohen Hürden bei der Genehmigung der Kostenübernahme durch die Krankenkassen, wegen des hohen Aufwands bei der wissenschaftlichen Begleiterhebung oder einfach aus Unwissenheit. Es fehlt eine Bildungsoffensive für Ärzte.

Krankenkassen lehnen Kostenerstattung ab

Etwa ein Drittel der Anträge auf Kostenerstattung wird von den gesetzlichen Krankenkassen abgelehnt. Das führt zu einer Einengung der Verschreibungen auf Indikationen, bei denen die Erstattung wahrscheinlicher ist, z.B. bei Schmerzen. Die große Bandbreite der möglichen medizinischen Verwendung von Cannabis wird dadurch nicht ausgeschöpft. Außerdem wird so die eigentlich geplante Entscheidungshoheit der Ärzte auf die Krankenkassen verlagert.

Lieferengpässe

Insbesondere bei Hanfblüten gibt es erhebliche Lieferengpässe. Patienten, die teilweise nach langer Odyssee endlich ein Rezept in Händen haben, bekommen ihre Medizin in den Apotheken nicht und leiden unnötig unter ihren Beschwerden. Das hängt auch damit zusammen, dass Deutschland es auch nach zwei Jahren immer noch nicht geschafft hat, Lizenzen für den Anbau von medizinischem Cannabis zu vergeben.

Extrem hohe Apothekenpreise

Insbesondere Hanfblüten gehen in Deutschland zu extrem hohen Preisen über die Ladentheke. Exakt die gleichen Hanfblüten werden in den Niederlanden zu einem Drittel des Preises abgegeben. Das ist eine unnötige Belastung für Krankenkassen und Privatpatienten sowie auch für Apotheker, da sie gezwungen sind, unsinnige Überprüfungen jeder einzelnen Charge durchzuführen. Dennoch sind Hanfblüten, anders als von involvierten Konkurrenzunternehmen behauptet, bezogen auf den THC-Gehalt mit Abstand die preiswerteste Variante im Vergleich mit den verfügbaren Fertig- und Rezepturarzneimitteln.

800.000 Patienten

Der DHV geht davon aus, dass ca. 800.000 Patienten in Deutschland von Cannabis profitieren und die Einnahme anderer Medikamente reduzieren könnten.

“Die Probleme liegen nach zwei Jahren klar auf der Hand. Es wird Zeit, dass die Regierung die Kinderkrankheiten des Gesetzes beseitigt und allen Betroffenen den Zugang zu medizinischem Cannabis ermöglicht”, so Hanfverband-Geschäftsführer Georg Wurth.

Quelle: Deutscher Hanfverband, Berlin, März 2019

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